Alarm – raus aus dem Bett, rein in die Hose. Sekunden später hallen Schritte durch die neuen Gänge der hochmodernen Feuerwache. Hände greifen nach den beiden Rutschstangen – und zack, geht es in rasanter Geschwindigkeit rund drei Meter tiefer, direkt in die große Fahrzeughalle. Den Vorschriften gemäß muss spätestens 90 Sekunden nach dem Alarm das erste Fahrzeug ausrücken. „Wir schaffen es in einer Minute“, sagt Holger Hannemann. Er leitet die Werkfeuerwehr des Europa-Park Erlebnis-Resorts – eine Truppe, die im Hintergrund des größten Freizeitparks Deutschlands für Sicherheit sorgt. Und das mit einer Professionalität, die in dieser Form einmalig ist.
Feuerwehr wie für eine Stadt
Mit seinen über sechs Millionen Besuchern pro Jahr ist der Europa-Park weit mehr als nur ein Freizeitpark – er ist wie eine kleine Stadt mit Hotels, Restaurants, Theatern und natürlich Dutzenden Attraktionen, die ganz besondere Anforderungen mit sich bringen.
Und wie in jeder Stadt kann hier jederzeit etwas passieren: medizinische Notfälle, technische Störungen. „Wir haben mit allem zu tun, was es draußen auch gibt“, erklärt der Verantwortliche der Werkfeuerwehr, der selbst seit drei Jahrzehnten Feuerwehrmann ist. Seit 2025 haben die Einsatzkräfte ein neues Zuhause: eine Feuerwache, die Maßstäbe setzt. Auf 920 Quadratmetern verteilen sich eine Fahrzeughalle mit sechs Stellplätzen, Ru- heräumen, Schulungsräumen, einer Atemschutzwerkstatt, einem Techniklager, einer modernen Sicherheitsleitstelle – und sogar einem kleinen Sportraum. Kostenpunkt: mehrere Millionen Euro. Die Summe unterstreicht, welchen hohen Stellenwert die Sicherheit im Europa-Park hat. „Das ist kein Luxus, sondern absolut notwendig“, wie die geschäftsführende Gesellschafterin Ann-Kathrin Mack betont. Die sehr hohe Sicherheit für die Gäste sei damit weiter gewährleistet.
Holger Hannemann leitet der Werkfeuerwehr des Europa-Park Erlebnis-Resorts.
365 Tage rund um die Uhr
Die Werkfeuerwehr des Europa-Park zählt über 60 hauptberufliche Kräfte. Darunter sind auch drei Feuerwehrfrauen und eine neue weibliche Auszubildende. „Wir haben festgestellt: Es macht ein ganz anderes Umfeld, wenn Damen mit dabei sind“, erläutert Hannemann. „Die Zusammenarbeit wird noch kollegialer, und die männlichen Kollegen bringen sich spürbar mit noch mehr Eifer ein.“ Aufgeteilt ist die Feuerwehr in zwei Wachabteilungen. Das Team ist damit an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr wachsam und bereit. Ergänzt wird es durch einen Tagdienst für vorbeugenden Brandschutz und Organisation.
Alle Feuerwehrleute sind ausgebildete Rettungssanitäter, viele zusätzlich Höhenretter und Rettungsschwimmer. Eine Stunde Sport täglich ist Pflicht, ebenso wie regelmäßige Begehungen der über 145 Hektar großen Gesamtfläche des Europa-Park Erlebnis-Resorts. „Wir müssen jederzeit in Topform sein“, sagt ein Feuerwehrmann, während er sich ein 20-Kilo-Gewicht auf die Schultern legt.
In höchstens fünf Minuten überall
Auf Notfälle der unterschiedlichsten Art muss reagiert werden: eingeklemmte Finger, Platzwunden, Kreislaufzusammenbrüche, steckengebliebene Aufzüge, Rauchentwicklungen. Es vergehen nur wenige Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort. „Spätestens in fünf Minuten sind wir überall“, sagt Hannemann. Möglich macht das nicht nur die personelle Stärke, sondern auch die technische Ausstattung: moderne Einsatzfahrzeuge, 2.000 Brandmelder, Gasdetektoren und eine vernetzte Sicherheitsleitstelle, die das gesamte Erlebnis-Resort im Blick hat.
Etwas Spezielles sind Einsätze in großer Höhe. Wenn auf einer Achterbahn ein Zug stehen bleibt oder eine Evakuierung nötig wird, kommen die Höhenretter der Feuerwehr zum Einsatz. Seile, Spezialgurte, Sicherungssysteme: Das Material ist teuer und die Ausbildung intensiv. „Das ist nicht alltäglich. Aber auch das trainieren wir regelmäßig, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt“, beschreibt Hannemann.
Außerdem wird vorbeugend viel getan. Jeden Tag inspiziert die Feuerwehr laufende Baustellen im Park, kontrolliert Brandschutzmaßnahmen und sorgt dafür, dass Fluchtwege nicht versperrt sind. „Unsere wichtigste Arbeit ist die, die niemand sieht“, sagt Hannemann. Denn insbesondere wenn nichts passiert, haben sie alles richtiggemacht.
Vom Pionierprojekt zur Hochleistungswache
Begonnen hat alles 2006 – mit ein paar freiwilligen Helfern. Heute ist die Werkfeuerwehr des Europa-Park eine hochprofessionelle Einheit, die mit Berufsfeuerwehren selbst von Großstädten mithalten kann. Das liegt nicht nur an der Technik, sondern auch am Anspruch. Sechs Fachbereiche kümmern sich um Einsatzplanung, Ausbildung, Technik, vorbeugenden Brandschutz, Sanitätsdienst und Höhenrettung. Der Nachwuchs kommt direkt aus den eigenen Reihen: Sechs Auszubildende lernen derzeit den Beruf des Werkfeuerwehrmanns beziehungsweise der Werkfeuerwehrfrau – inklusive Sport, Theorie und jeder Menge Praxis.
Einmalig in Deutschland
„Wir haben hier eine Infrastruktur geschaffen, die in Freizeitparks weltweit ihresgleichen sucht“, sagt Europa-Park-Inhaber Roland Mack stolz. Weltweit würden damit Maßstäbe gesetzt. „Nur ganz wenige internationale Freizeitparks können eine solche Feuerwehr-Ausstattung vorweisen.“ In Deutschland verfügt kein anderer Freizeitpark über eine eigene Berufsfeuerwehr in dieser Größenordnung. Auch, weil es in der Region keine städtische Berufsfeuerwehr gibt, die die Anforderungen des Parks erfüllen könnte. Während Familien in die magischen Themenwelten des Europa-Park eintauchen, sich von Shows verzaubern lassen oder den atemberaubenden Ritt auf der Achterbahn erleben, ist die Feuerwehr immer bereit. Sie schläft nie. Und auch wenn die meisten Besucher sie nie zu Gesicht bekommen, ist die Feuerwehr doch ständig präsent – als stille Garantin für einen sicheren Tag voller Abenteuer.
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