Eine Achterbahn taucht an brodelnden Magmaschichten vorbei tief ins Innere der Erde ein, während zur gleichen Zeit ein Lift die Erdatmosphäre durchbricht und die Gäste des Europa-Park bis ins Weltall befördert. Die Gäste zwischen Erde und Kosmos. Sogar Träume werden zur Realität, etwa, wenn sich die Besucher von der Schwerkraft lösen und in Landschaften stehen, die zuvor nur in der Vorstellung existierten.
Könnte so die Zukunft des Europa-Park aussehen? Die Antwort auf diese Frage führt nach Freiburg – ins Ballhaus der Tanzschule Gutmann. Dort wuseln Kinder aufgeregt durchs Foyer, bevor sie zu ihren Kursen verschwinden. Später füllen Tanzpaare die Säle – bis zu 6.000 Menschen besuchen hier regelmäßig rund 300 verschiedene Kurse, von Standard über Hip-Hop bis Tango Argentino.
Matthias Blattmann hat die Tanzschule 1998 mit seinen Inhaberkollegen Johnny Schmidt-Brinkmann und Christian Spengler übernommen und zu einer der größten in Europa gemacht. Doch dass das 200-Mitarbeiter-Unternehmen auch noch eine Zukunftswerkstatt für Freizeitparks sein soll? „Was wollen wir der Familie Mack schenken?“ Diese Frage stellte sich die Tanzschule 2025, als der Europa-Park sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Seit rund zwei Jahrzehnten sind sie, die hauseigene Agentur Gutmann Events und der Freizeitpark Partner und organisieren das „Euro Dance Festival“ – mit 6.000 Teilnehmern das weltweit größte Paartanzfestival. Eine Flasche Wein oder eine Käseplatte als Präsent? Das kam nicht infrage.
Mit seinem Kreativteam entwickelte Blattmann eine außergewöhnliche Idee: ein Buch über den Europa-Park im Jahr 2125 – in hundert Jahren also. Seinen Grafikern und Mediengestaltern ließ er freie Hand. Drei Monate lang arbeiteten sie mit grenzenloser Fantasie und moderner KI-Unterstützung an ebenso spektakulären wie geradezu wilden Zukunftsvisionen über den Freizeitspaß 2125. Das Ergebnis ist unter anderem die Achterbahn „TerraReverse“ – der einzige Coaster, der nicht in den Himmel, sondern bis an den Erdkern schießt. In diamantgläsernen Zügen rasen die Fahrgäste durch leuchtende Magmaströme und erreichen in vollkommener Schwerelosigkeit den Rand des Erdkerns, bevor sie in atemberaubender Rückwärtsfahrt wieder an die Oberfläche katapultiert werden.
Hotel im Riesenrad
Dort würde sich gemäß der Vision ein 200 Meter hoher „Confertainment‑Tower“ mit 1.200 Zimmern majestätisch aus der Landschaft erheben. Hinzu käme das „Giant Wheel Hotel“ – ein bewohnbares Riesenrad. Fliegende Mini‑Imbisse könnten die Gäste erreichen, während die gläserne Showküche „Nano‑Bites“ Aromen und Texturen wie von Zauberhand durch die Luft tanzen ließe.
„Sie fiel aus allen Wolken“
Kurz nach dem großen Jubiläumswochenende am 12. Juli 2025 – exakt 50 Jahre nach der Parkeröffnung – überreichte Blattmann das als Einzelstück gefertigte Buch an Marianne Mack. „Sie fiel aus allen Wolken und blätterte wie gebannt darin“, erinnert er sich. Auch Europa-Park-Chef Roland Mack zeigte sich begeistert: „Das ist das außergewöhnlichste Geschenk, das wir erhalten haben.“ „Unsere spektakulären Szenen sind natürlich keine offiziellen Zukunftspläne des Europa-Park“, betont Blattmann. Es handle sich nur um skurrile, fantasievolle Vorschläge. Sollten die Zukunftsbilder aus dem Geburtstagsgeschenk aber wahr werden, hätte sich der Europa-Park 2125 längst vom klassischen Freizeitpark zur multidimensionalen Erlebnismetropole gewandelt. Was vor dann 150 Jahren mit Achterbahnen und Themenbereichen begann, wäre dann ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Körper und Geist, zwischen Erde und Kosmos verschwimmen.
Die Macher des Zukunftsentwurfs stellen sich beispielsweise Neuro-Lux-Betten vor: Sie fangen Träume ein und präsentieren sie beim Sonnenaufgang wie einen Film.
„Wir verkaufen keine Fahrten mehr – sondern Existenzen“, erklärt im Buch die künftige Park-Direktorin Maya Chen beim Rundgang durch die schwebenden Strukturen des Geländes. Tatsächlich beginnt der Besuch nicht mehr am Eingang, sondern bereits beim Abflug: Vom heimischen „Sky-Pad“ docken die Gäste per autonomer Drohne direkt am gewaltigen „SkyPort“ an, dem parkeigenen Flughafen, der sich 80 Meter über dem Parkgelände erhebt.
In fremde Identitäten schlüpfen
Der wohl meistbesuchte Bereich ist der „Avatarpark“. Dort ist es möglich, über neuronale Interfaces in fremde Identitäten zu schlüpfen „Ich war heute Morgen ein Kind im Paris der 1920er-Jahre“, erzählt die 67‑jährige Lin Sato sichtlich bewegt. „Ich habe gespürt, wie es ist, wieder sechs zu sein.“ Manche Gäste wählen fantastische Rollen – ein Unterwasserarchäologe im Jahr 2150, eine Pilotin in der Marsatmosphäre – andere begeben sich auf intime Reisen in alternative Versionen ihres eigenen Lebens. Die emotionale Tiefe dieser Erlebnisse hat den „Avatarpark“ sogar zu einem anerkannten Ort der Therapie und Selbstfindung gemacht.
Die Seele führt Regie
Weniger nach innen gerichtet, aber nicht minder spektakulär: Das „Lumina Theater“ generiert für jeden Zuschauer eine eigene Geschichte, basierend auf Gehirnaktivität und biografischen Mustern. Keine zwei Menschen sehen jemals dieselbe Aufführung. „Es ist, als würde deine Seele Regie führen“, beschreibt es ein Gast aus Tokio. Zudem öffnet sich die Kuppel der künstlichen Unterwasserwelt „Biocoral“, die reale Korallen mit holografischer Fauna kombiniert. Romantiker zieht es derweil zur „Wedding Island“, einer rotierenden Plattform, die Gesellschaften in 150 Metern Höhe zu Trauung, Dinner und Tanz empfängt. Wer noch weiter reisen möchte, nimmt den Weltraumlift – eine sanft schwebende Graphenbahn in den Orbit. Die Gäste berichten von Sonnenaufgängen alle 90 Minuten, Yoga in Schwerelosigkeit und Drinks an der Zero‑G‑Bar.
Als Teil einer fantasievollen Vision vom Europa-Park 2125 verwandelt die „Symphonia Mechanica“ die Gäste in Dirigenten eines KI-Orchesters.
In dem von der Tanzschule Gutmann ersonnenen Europa-Park in 100 Jahren heben Gäste vom „SkyPort“ in Rust ab – zu Spaziergängen über ferne Planeten ebenso wie zu Wettfahrten in echten Wikingerbooten.
Europa-Park auf dem Mars?
Doch wo sind die Grenzen? Nach den Gedankenspielen der Tanzschule Gutmann definitiv nicht auf der Erde. 2125 wären demnach gerade der „Europa‑Park 2.0“ eröffnet worden – auf dem Mars! Unter einer 500‑Meter‑Biodome‑Kuppel könnten die Besucher beliebte Attraktionen der Erde wiederfinden, ergänzt um marsspezifische Abenteuer wie einen Parcours in geringer Schwerkraft.
Es begann mit einer Hochzeit
Die Verbindung Blattmanns zum Europa-Park entstand durch Zufall. 2004 suchte er eine Location für seine Hochzeit. „In Freiburg war nichts mehr zu finden. Etwas peinlich für einen Eventveranstalter“, witzelt er heute. Der Tipp, es im Europa-Park zu versuchen, führte ihn in den Rohbau des gerade entstehenden Hotels „Colosseo“. Trotz Bedenken wagte er es – und die Hochzeitsfeier der Blattmanns wurde zur ersten Veranstaltung im „Colosseo“ nach der glanzvollen Eröffnung mit Stargast Claudia Cardinale. „Das war der Beginn einer tollen Partnerschaft“, sagt Blattmann. „Das ‚Euro Dance Festival‘ ist zur Mutter aller Tanzfestivals geworden.“
Ob etwas aus „Europa-Park 2125“ vielleicht doch jemals zu erleben sein wird? Blattmann schmunzelt: „2029 feiern wir Silberhochzeit im Europa-Park. Auf einer schwebenden Hochzeitsinsel – das wäre doch was.“
Fliegende Speisen, virtuelle Pisten, Hochzeiten in den Wolken und vielleicht sogar eine Niederlassung auf dem Mars? Die Zukunftsvisionen lassen der Vorstellungskraft freien Lauf.
Ein paar Minuten mit Matthias Blattmann
Einer der Inhaber der Tanzschule Gutmann stellt sich und die größte Tanzschule Europas vor.
Weitere Informationen: www.tanzschule-gutmann.de
Diese Webseite nutzt Cookies für Funktionszwecke. Auf diese Weise stellen wir die reibungslose Funktionalität dieser Webseite sicher. Weitere Infos finden Sie im Datenschutz: Datenschutzerklärung