Die Morgensonne taucht den Europa-Park in ein warmes Licht, als Fotograf Achim Mende letzte Kameraeinstellungen vornimmt. Vor ihm liegt kein gewöhnlicher Arbeitstag – sondern eine Weltraummission! Ed und Edda, die beiden Mäuse-Maskottchen des Europa-Park, werden eine Reise antreten, von der die allermeisten Menschen nicht einmal zu träumen wagen – 33 Kilometer hoch in die Stratosphäre, an den Rand des Weltalls.
Der Anlass: Der Europa-Park wurde 2025 stolze 50 Jahre alt. Die Macher nahmen das Motto des Jubiläumsjahres „Feiern unter Sternen“ geradezu wörtlich und entwickelten eine spektakuläre Idee: die eigenen Maskottchen in einem Stratosphärenballon starten zu lassen – und den Flug mit spektakulären Bildern festzuhalten. Monatelang bereitet ein Team aus Fotograf Achim Mende und Veranstaltungstechniker Heiko Grebing die spektakuläre Aktion vor. Von der ersten Idee bis zur Landung stimmen sie sich eng mit der Deutschen Flugsicherung ab, um alle Sicherheitsbestimmungen des Luftverkehrs einzuhalten.
Die Welt wird zu bunten Punkten
Jetzt steht der Ballon bereit: Mit seinen vier Kubikmetern Helium misst er am Boden etwa zwei Meter im Durchmesser. Beim Aufstieg wird sich das Gas ausdehnen und den Luftkörper zu einer imposanten Größe anwachsen lassen. An Bord: hochauflösende Kameras, Ortungsgeräte, Telemetrie, Blumensamen als kleiner Gruß an die Natur – und die beiden fest montierten Maskottchen. Ihr Blick ist beim Start strikt gen Himmel gerichtet. Dann geht es los. Verabschiedet von etlichen Zuschauern steigt der Ballon langsam in die Höhe. Die Fassaden schrumpfen, die Dächer von Rust werden zu bunten Punkten, der Rhein windet sich wie ein lang gezogenes Gummiband.
Nach einigen Kilometern wird die Luft dünner, die Farben klarer, die Wolken wirken wie Wattefelder. Immer mehr nähert sich der Ballon der Höhe, in der die tiefdunkle Schwärze des Weltraums beginnt. Etwa 90 Minuten sind bis dahin vergangen. Bei rund 33 Kilometern erreicht die Mission schließlich ihren Zenit. Das Blau des Himmels kippt ins Schwarze. Die Kameras fangen die Szene ein: Die beiden Maskottchen des Europa-Park, scheinbar schwerelos im Raum, vor der Krümmung der Erde.
Aufgrund der immer dünner werdenden Atmosphäre steht der Ballon nun unter enormem Druck. Seine Hülle dehnt sich – und reißt. In diesem Moment beginnt für Ed und Edda der Rückweg zur Erde. Gleichzeitig rieseln die bunten Blumensamen aus dem geplatzten Ballon über Südbaden herab. Ein poetischer Moment: Als Zeichen des stolzen Jubiläums „50 Jahre Europa-Park“ schweben sie ins Land.
An einer Styropor-Box befestigt und mit gut gelaunten Blicken hoben Ed und Edda ab.
In einem Maisfeld am Bodensee konnte das fragile „Raumschiff“ mit den Maskottchen des Europa-Park geborgen werden.
Landung an der Schweizer Grenze
Der Abstieg ist rasant. Mit fast 250 Stundenkilometern schießen Ed und Edda durch die oberen Luftschichten zurück Richtung Erde. Nach insgesamt zwei Stunden und 47 Minuten landet die Sonde samt Maskottchen wohlbehalten in einem Maisfeld nahe Singen, unweit der Schweizer Grenze – deutlich weiter südlich, als viele erwartet hatten.
Für Achim Mende ist dieser Flug nicht der erste. Bereits 2021 schickte er einen Ballon über den Bodensee, um Aufnahmen für die Landesgartenschau in Überlingen zu machen. Die Europa-Park-Mission unterschied sich jedoch durch die starke Inszenierung: Ed und Edda dienen nicht nur als „Passagiere“, sondern als emotionale Figuren, die den Flug für jeden nachvollziehbar machen. Sie hatten sogar eigens genähte „Raumanzüge“ verpasst bekommen.
Lange Zeit unerreichbar
Die Stratosphäre beginnt je nach Standort etwa zehn bis 15 Kilometer über der Erde. Lange Zeit war sie für gewöhnliche Flugzeuge unerreichbar. Heute sorgen private Höhenballons für Erlebnisflüge bis nahe an die Raumfahrtgrenze. Auch Enthusiasten wie Achim Mende nutzen sie, um atemberaubende Aufnahmen der Erdkrümmung vor dem tiefschwarzen Himmel zu machen.
Die Ausbeute des Mäuse-Flugs sind eindrucksvolle Bilder und faszinierende Videos, die sowohl Ed und Edda als auch den Europa-Park in spektakulären Perspektiven zeigen. Achim Mende: „Roland Mack freute sich riesig, umso mehr, als wir das hochwertige Equipment mitsamt den wertvollen Fotos wiederfinden konnten. Das ließ sich zwar mithilfe einer speziellen Wetterballon-Flugrouten-App einigermaßen vorhersagen, aber es hätte auch schiefgehen können. Wohl niemand hat sich vorher vorstellen können, welch überraschenden Eindrücke dabei herausgekommen sind.“
Die Weltraumexpedition im Film
Wie Ed und Edda (fast) in den Weltraum geflogen und sicher wieder zurückgekehrt sind.
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