Europa-Park aus Dahlien

Der Blumenkorso im elsässischen Sélestat (Schlettstadt) zelebriert Deutschlands größten Freizeitpark und feiert die deutsch-französische Freundschaft

Stärke, Kreativität, Durchhaltevermögen, Engagement: In der Blumensprache ist die Dahlie äußerst breit aufgestellt – in verschiedenen Kulturen nimmt sie unterschiedliche Bedeutungen an. Doch all diese Attribute passen bestens zum Europa-Park! Insofern ist die Dahlie der perfekte Bote für ein besonders farbenprächtiges Spektakel, mit dem die elsässische Stadt Sélestat (Schlettstadt) zuletzt den Europa-Park auf eine ganz besondere Weise gefeiert hat: dem weit über die Landesgrenzen hinweg bekannten Blumenfest „Corso Fleuri“.

Dabei wurde die Dahlie gleich hunderttausendfach durch die malerischen Straßen der Kleinstadt unweit von Straßburg gefahren. Bereits zum 96. Mal fand der Blumenkorso statt und stand ganz im Zeichen zweier Jubiläen: 25 Jahre Partnerschaft zwischen Sélestat und dem Europa-Park sowie „50 Jahre Europa-Park“. Etwa 40.000 Besucher strömten dazu in den Ort am Fuße der Vogesen, die hier noch von der imposanten Silhouette der markanten Hohkönigsburg gekrönt werden. Sogar aus Italien waren Zuschauer angereist, um eines der größten Sommerfeste im Elsass zu erleben.

Zwei Jahre Planung
Unter dem Motto „Feiern unter Sternen“ zogen am frühen Abend und bei Einbruch der Dunkelheit insgesamt zwölf opulent geschmückte Festwagen durch die Innenstadt – dekoriert mit rund 500.000 bunten Dahlien. Erstmals hatte die Parade nur das Europa-Park Erlebnis-Resort als Thema. So präsentierten die Wagen unter anderem die spektakuläre Achterbahn „Voltron Nevera“, die Wasserwelt Rulantica, das Erlebnishotel „Bell Rock“, die „Piraten in Batavia“ sowie die Maskottchen Ed und Edda sowie Snorri. Die beeindruckenden Konstruktionen waren in monatelanger Arbeit in städtischen Werkstätten von örtlichen Vereinen gefertigt worden. „Wir haben das Ganze zwei Jahre lang gemeinsam mit dem Europa-Park geplant“, berichtet Kulturamtsleiter Philippe Rauel.

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Wie im Karneval: Auch die „Piraten in Batavia“ zogen durch die Straßen von Sélestat.

Karneval im Sommer
Die Umsetzung begann Monate zuvor: Aus Holz, Draht und Papier entstanden die Grundkonstruktionen. Dann lieferte ein Lkw aus den Niederlanden die Dahlien und über Nacht zauberten daraus rund 1.000 Helfer die emotionalen Kunstwerke auf Rädern. „Die Farbwahl hängt jedes Jahr auch von der Natur ab – manchmal blüht mehr Weiß, manchmal mehr Gelb“, erklärt Rauel. Nicht weniger als 500 Musiker, Straßenkünstler, Tänzer und Folkloregruppen begleiteten die floralen Darbietungen und sorgten für einen Karneval im Sommer.
Bereits vor 25 Jahren lud die Gemeinde Sélestat die Familie Mack erstmals zur Teilnahme am Blumenkorso ein. Wagen aus dem fröhlichen Blütenzauber werden seither stets nach dem Fest im Europa-Park ausgestellt. So entstand eine enge Verbindung, die weit über Symbolik hinausgeht. „Viele sprechen über deutsch-französische Freundschaft – wir leben sie“, sagt Europa-Park-Chef Roland Mack. „Wir feiern gemeinsam, schaffen Erlebnisse für Menschen beider Länder und zeigen, wie gut die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg funktionieren kann.“ Roland und Jürgen Mack sind seit 2011 Ehrenbürger von Sélestat – eine Auszeichnung, die nur wenigen Persönlichkeiten zuteilwird.

Blühende Freundschaft

Auch wirtschaftlich und gesellschaftlich ist die Verbindung bedeutsam: Ein Großteil der Mitarbeiter des Europa-Park stammt aus dem Elsass, viele davon aus der Region rund um Sélestat. Seit der Grenzöffnung und dem Wegfall der Grenzkontrollen ist das Miteinander beiderseits des Rheins noch enger geworden. „Wir könnten heute nicht mehr auf die Mitarbeiter aus dem Elsass verzichten“, betont Mack. Der „Corso Fleuri“ selbst hat eine lange Geschichte: Schon seit 1929 ist er fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Sélestat. Ursprünglich zogen kleine Handwagen mit Blumen, Gemüse und Mist durch die Stadt – später kamen Pferdekutschen und Fahrräder hinzu. 1954 begann man, dem Fest jährlich wechselnde Themen zu geben. Zehn Jahre später wurde der „Corso“ auch bei Nacht veranstaltet und bekam seinen typischen, fast magischen Charakter – über die Grenzen hinweg. „Die deutsch-französische Freundschaft ist hier keine Floskel“, so Bürgermeister Marcel Bauer. „Sie blüht – ganz wörtlich – jedes Jahr neu auf.“

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Von links nach rechts: Bürgermeister Marcel Bauer mit Ehefrau Josiane, Roland und Marianne Mack, Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges, Mauritia und Jürgen Mack.

Die Blütenpracht in Bewegung
Mit stimmungsvollen Bildern von den Vorbereitungen bis zu den Umzügen feiert der Film Handwerk, Gemeinschaft und die Freude an festlicher Inszenierung beim „Corso Fleuri“ im Zeichen von „50 Jahre Europa-Park“.