Ein dumpfer Bass pulsiert, dazu setzen Streicher ein, ein dramatischer Akkord baut sich auf – und dann rast die Achterbahn aus der Station. Im Europa-Park ist Musik mehr als Kulisse oder Begleitung: Sie ist Teil des Erlebnisses. Loopings ebenso wie Wartezeiten scheinen von ihr getragen zu werden. Wenn die Besucher beispielsweise an Vogelfiguren im Gelände vorbeikommen, ertönen dazu die passenden Piepmatz-Stimmen.
Der Clou dabei: Die Töne und die Musik stammen nicht von irgendwoher, sondern aus dem Europa-Park selbst.
Auf Initiative von Michael Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Park sowie CEO von Mack One, sind 2025 im französischen Themenbereich die „2112 Studios“ aufgebaut worden. Während gerade der EP-Express an einem Fenster vorbeischwebt, sitzt dort Musikproduzent und Sounddesigner Sebastian Kübler an einer Schreibtisch-Komposition aus einem großen gebogenen Bildschirm, Mini-Keyboard, Mischpult, Lautsprechern und Mikrofonen. Auf dem Bildschirm sind mehrere Linien in verschiedenen Farben zu sehen. Dahinter verbirgt sich die „Digital Audio Workstation“ – Küblers Hauptinstrument. „Das ist ein digitales Orchester“, sagt er. „Mithilfe der Linien bin ich der Dirigent.“ Der Klangtüftler lässt eine Geige erklingen, gefolgt von einer weiblichen Sopranstimme und anschließend gemixt mit einem modernen Synthesizer.
Musik aus der ganzen Welt
Weltweit, von Los Angeles über Budapest bis Tokio, haben Orchester, Chöre und andere Musiker Klänge eingespielt, die von Toningenieuren für Musikdatenbanken so veredelt wurden, dass Kübler Flöten, Oboen und Trommeln in jeder Tonart spielen kann – lang oder kurz, hell oder dunkel, höher oder tiefer. Mit den Klicks auf seiner Maus stellt er sie zu einem Geräusch, Ton oder einem neuen Song zusammen.
Vor seiner Festanstellung im Europa-Park hatte der Soundtüftler lange mit Kollegen eine eigene Firma. „In Deutschland gibt es fast keinen Freizeitpark, in dem keine Musik von mir läuft“, sinniert er.
„Diese Musik ist im weitesten Sinne wie Filmmusik, nur, dass die Gäste sogar Teil der Geschichte sind.“ Auch für den Europa-Park komponierte er schon vorher. „Das Onboard-Thema für den ‚blue fire Megacoaster‘ war 2009 meine erste Arbeit für den Europa-Park.“ Als Kübler aus der Ferne in seine Heimat im Hochschwarzwald zurückkehren wollte, wurde er von Michael Mack fest verpflichtet. Die neu geschaffenen „2112 Studios“, benannt nach Macks Geburtstag, produzieren Musik und Geräuschkulissen für das gesamte Europa-Park Erlebnis-Resort und die Attraktionen von Mack Rides. Zudem werden externe Kunden bedient. Ein Freizeitpark, der Zombieschreie, Windrauschen und Musikeinspielungen selbst auf dem eigenen Gelände erstellt, ist in der Branche einmalig.
Das Publikum ist immer nah
Der kreative Prozess des Soundtüftlers beginnt „wie vor einem leeren Blatt“. Ein Großraumbüro kam dafür nicht infrage – stattdessen entstand aus einem ehemaligen Kostümlager ein elegantes, gemütliches Hightech-Studio mit Schallschutz und dunkler Einrichtung zur Konzentrationsförderung. Der Raum vereint französischen Chic mit rustikaler Wärme, es liegt sogar noch der Duft von frischem Holz in der Luft. Durch eine Schallschutzdämmung bleibt der Trubel des Parks draußen. Tiefe Sessel schaffen Wohnzimmeratmosphäre, während modernste Technik einsatzbereit ist.
Selbst prominente Musiker wie DJ BoBo und Bushido nahmen in dem Studio bereits auf. Sebastian Kübler schätzt noch etwas ganz besonders: die direkte Nähe zu den Attrak- tionen. Nur wenige Schritte trennen ihn vom Publikumstest – ein Vorteil, den es sonst nirgends gibt.
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