Erinnerung an die Filmikone Claudia Cardinale und ihren unvergesslichen Auftritt in Rust zur Eröffnung des Hotels „Colosseo“ im Jahr 2004
Es ist ein warmer Sommertag im Juni 2004. Am nagelneuen Hotel „Colosseo“ fährt eine große dunkle Limousine vor. Roland Mack öffnet die Autotür, um Claudia Cardinale persönlich zu begrüßen. Was für ein Auftritt. Eine strahlende Diva, ein strahlender Roland Mack mit leuchtenden Augen – damals noch mit Schnauzbart – und eine ebenso fröhliche Familie Mack.
Das Hotel „Colosseo“ wird eingeweiht. Italienfeeling pur. Und Claudia Cardinale verkörpert das italienische Lebensgefühl par excellence. Sie fühlt sich sichtlich wohl in Rust. Bei der symbolischen Schlüsselübergabe schwärmt sie: „Ich spüre, mit wie viel Liebe hier ein Stück Italien entstanden ist.“ Franz, Roland und Jürgen Mack sind rundum glücklich. Das Hotel ist endlich vollendet, der Besuch der Filmdiva ist die Krönung
Unnahbare Eleganz und explosive Kraft
Es gibt Gesichter, die für immer bleiben. Gesichter, die zu einer Epoche gehören. Claudia Cardinale war eines dieser Gesichter. Die römische Filmindustrie der 1960er-Jahre hätte ohne sie anders ausgesehen, weniger widerspenstig, weniger wahr. Geboren 1938 in Tunis als Tochter sizilianischer Eltern, wurde sie eher zufällig entdeckt – bei einem Schönheitswettbewerb, den sie nicht gewinnen, sondern nur begleiten wollte. Doch die Kamera verliebte sich in sie: in diese Mischung aus unnahbarer Eleganz und explosiver Kraft, in den dunklen Blick, der immer mehr erzählte, als Worte je konnten. Und so begann eine Karriere, die sie zu einer Ikone des europäischen Kinos machte.
„Es gibt nur eine Claudia Cardinale“
Berühmt wurde sie durch Viscontis „Rocco und seine Brüder“ und vor allem sein Jahrhundertwerk „Der Leopard“. Später schuf Sergio Leone mit ihr in „Spiel mir das Lied vom Tod“ eine der stärksten Frauenfiguren der Kinogeschichte. Was Claudia Cardinale auszeichnete, war nie allein ihre Schönheit. Es war ihre Haltung. Sie weigerte sich, das sanfte Weibchen zu spielen, wie es viele Produzenten forderten. Sie spielte mit einer inneren Kraft, die förmlich durchs Bild drang.
Es gibt viele Geschichten über sie, eine der schönsten: Als Sergio Leone sie für „Spiel mir das Lied vom Tod“ verpflichten wollte, sagte sie zunächst ab, weil sie ein Neugeborenes zu Hause hatte. Leone aber bestand darauf: „Es gibt viele Stars. Aber nur eine Claudia Cardinale.“ Und er hatte recht.
Eine weitere berührende Geschichte ist jene von ihrer Kindheit in Tunis. Cardinale sprach lange kein fließendes Italienisch, obwohl sie Italienerin war. Ihr Akzent war unverkennbar – und gerade dieser Akzent machte sie einzigartig. Als sie später gefragt wurde, ob sie ihn je loswerden wollte, sagte sie: „Warum sollte ich? Ein Akzent ist die Musik eines Lebens.“ In diesen Worten lag ihr ganzes Wesen: Stolz, Identität, Authentizität.
Stern und Suite im Europa-Park
Im September 2025 ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Europa-Park ehrt die Leinwandikone mit einer eigenen Suite im Hotel „Colosseo“, die mit vielen Erinnerungsstücken an die Schauspielerin ausgestattet ist. Einst hatte sie dort in der Nacht nach der Eröffnung übernachtet. Auf dem „Walk of Fame“ im Europa-Park erinnert zudem ein Stern an eine ganz Große der Filmgeschichte. „Mit dem Hotel ‚Colosseo‘ haben wir ein Stück Rom in den Europa-Park geholt.
Unser Ziel war, den Gästen die mediterrane Lebensfreude und Atmosphäre zu vermitteln, und zwar so authentisch wie möglich“, blickt Europa-Park-Inhaber Roland Mack zurück. Claudia Cardinale habe dazu perfekt gepasst. „Nach der Eröffnungsfeier übernachtete sie sogar bei uns.“
Claudia Cardinale bei der Schlüsselübergabe mit Roland, Franz und Jürgen Mack (von links).
Zur feierlichen Eröffnung des „Colosseo“ vor mehr als 20 Jahren versammelten sich zahlreiche weitere Stars aus Show, Sport und Politik in Rust. Unter anderem gaben sich noch Thomas Gottschalk, Franz Beckenbauer, Heino, Sarah Connor und Marc Terenzi, Roland Kaiser sowie der italienische Verwandlungskünstler Arturo Brachetti die Ehre. Auch Boxlegende Henry Maske war unter den prominenten Gästen und genoss das mediterrane Flair der aufwendig inszenierten Piazza. Die Einweihung wurde mit italienischer Musik, Tanzgala, einem Feuerwerk und viel „La Dolce Vita“-Atmosphäre zelebriert. Der absolute Topgast, auf den sich die Augen richteten, war jedoch Claudia Cardinale.
Die Filmlegende war nie nur Leinwand. Sie war immer auch Haltung, Mythos, Erinnerung. Sie war jene Art von Schauspielerin, deren Gegenwart Räume größer machte. Und deren Filme uns heute daran erinnern, dass Kino einmal ein Ort war, an dem Menschen zu Legenden wurden – nicht wegen der Effekte, sondern wegen ihrer Wahrheit. Claudia Cardinale bleibt. Auf Zelluloid, im kollektiven Gedächtnis – und im Europa-Park.
Zum Tod von Claudia Cardinale
Sie arbeitete mit Filmemachern wie Visconti und Fellini und prägte das italienische Kino. Die ARD erinnert an die große Schauspielerin.
ardmediathek.de
Claudia Cardinale
Geboren
15. April 1938 in La Goulette bei Tunis, Tunesien
Gestorben
23. September 2025 in Nemours, Frankreich
Bürgerlicher Name
Claude Joséphine Rose Cardinale
Herkunft
Tochter sizilianischer Eltern
Ausbildung
Besuch des Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom
Karrierebeginn
1957 nach einem Schönheitswettbewerb in Tunis und der Entdeckung bei den Filmfestspielen in Venedig
Durchbruch
Internationale Karriere Anfang der 1960er-Jahre in Italien, Frankreich und Hollywood
Bedeutende Regisseure
Federico Fellini, Luchino Visconti, Sergio Leone, Werner Herzog
Bekannte Filme
8½ (1963), Il Gattopardo („Der Leopard“, 1963), Once Upon a Time in the West („Spiel mir das Lied vom Tod“, 1968), Fitzcarraldo (1982)
Filmografie
Über 150 Film- und Fernsehproduktionen
Besonderheiten
Internationale Filmikone und eines der großen Sexsymbole der 1960er-Jahre
Engagement
Einsatz für Frauenrechte, UNICEF- und Umweltprojekte
Privatleben
Mutter von zwei Kindern, zuletzt wohnhaft nahe Paris
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