Colmar. Die Gedenkstätte und das Museum auf dem Hartmannsweilerkopf zwischen Colmar und Mulhouse im Elsass laden ab Juni 2021 zu einer Sonderausstellung anlässlich des Jubiläums „100 Jahre historisches Denkmal Hartmannsweilerkopf“ ein. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen eine pädagogische archäologische Ausgrabungswerkstatt und die Anlage zweier pädagogischer Schützengräben, an der sich die jungen Besucher aus Frankreich und Deutschland beteiligen können.  Die Dimension der Stätte wird für junge Menschen durch neue Wege der Annäherung an die Geschichte gestärkt. Dies geschieht in der Saison 2021 insbesondere durch eine pädagogische archäologische Ausgrabungswerkstatt, die zu Beginn der Saison eröffnet wurde.

Die Gedenkstätte steht für eine der großen Tragödien unserer Geschichte. Mehrere zehntausend Franzosen und Deutsche verloren bei den erbitterten Kämpfen zwischen 1914 und 1918 ihr Leben. „Menschenfresserberg“ wird der Hartmannsweilerkopf heute noch im Volksmund genannt. Das Gedenken nach Kriegsende war mit der Errichtung eines Kreuzes (1919), der Anlage eines Soldatenfriedhofs, der Einweihung einer Krypta und des „Altars des Vaterlandes“ sowie mit der Ernennung zu einer der vier großen nationalen Gedenkstätten Frankreichs (1932) sehr französisch national und militärisch geprägt. Dem unermüdlichen Einsatz des langjährigen Tourismusdirektor im Elsass, Jean Klinkert ist es zu verdanken, dass der Hartmannsweilerkopf heute ein deutsch-französisches Mahnmal geworden ist, das vor allem auch jungen Menschen anspricht.

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Moderne Architektur: Das 2017 eingeweihte Historial.

Klinkert: „Mein Großvater Joseph Rey (1899–1990), der 30 Jahre lang Oberbürgermeister von Colmar war, wurde nach Verfolgung und Inhaftierung in der NS-Zeit ein überzeugter Europäer, der sofort nach Kriegsende mit gleichgesinnten Deutschen Kontakt aufnahm und u. a. die erste deutsch-französische Touristikroute Grüne Straße / Route Verte mitinitiierte. Er war und ist mir, auch in meiner einstigen Tätigkeit als Tourismusdirektor im Elsass, immer ein Vorbild. Mit der deutsch-französischen Versöhnung und Freundschaftspolitik, eingeleitet durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, rückte auch der Hartmannsweilerkopf wieder in ein breiteres deutsch-französisches Besucherinteresse.“

Mithilfe von binational finanzierten Interreg-Programmen konnten ab 2009 die Außenanlagen historisch authentisch restauriert werden. Zum ersten Mal wurden dabei auch in der Krypta die an den Kämpfen beteiligten deutschen Regimenter genannt. Die wissenschaftliche Aufbereitung des Schlachtfeldes umfasste neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten 45 dreisprachig gehaltene Informationstafeln entlang historischer Entdeckungswege (mehrere Dutzend Kilometer). Führungen werden auch in deutscher Sprache angeboten – eine App erschließt das Schlachtfeld mit seinen 150 unterschiedlichen Orten. Klinkert: „Der Bau einer Gedenkstätte im Elsass, die bewusst als Historial bezeichnet wird, konnte nur in einem deutsch-französischen Kontext entstehen und ist damit die erste und einzige deutsch-französische Gedenkstätte. Mein persönliches Motto dazu lautet:  Nie wieder Krieg, aber Frieden, Freundschaft und Freiheit für unsere Jugend in Europa. Ab 2008 wurden auf französischer wie auf deutscher Seite Initiativen gestartet, die die avisierte Bausumme von 4,7 Millionen Euro sicherstellen sollten.“

Am 3. August 2014, auf den Tag genau 100 Jahre nach Kriegsausbruch, legten der französische Staatspräsident François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein zum Bau des Historials, flankiert unter anderem von Jugendlichen des Deutsch-Französischen Jugendwerks. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Staatspräsident Emmanuel Macron weihten das Historial am 10. November 2017 ein.

Heute ist der Hartmannsweilerkopf mit seinem Museum und der Gedenkstätte ein wichtiges Ziel vor allem für junge Menschen aus Frankreich und Deutschland. Jährlich besuchen in der Sommersaison insgesamt über 100.000 Menschen den Hartmannsweilerkopf. Rund ein Drittel sind junge Menschen, die mit ihren Schulklassen oder mit ihrer Familie kommen. Mehr als 300 Schulklassen sind das jährlich. Rund 25 Prozent der Besucher sind aus Deutschland und der Schweiz.

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff sagte kürzlich bei einem Besuch des Hartmannsweilerkopf: „Die Sinnlosigkeit von Kriegen als totales Versagen der Diplomatie und die Brutalität und Unmenschlichkeit dieser zermürbenden Schlachten im 1. Weltkrieg machen sprachlos. Und dann fasziniert das Museum und der Gedenkort als gelungene eindringliche Warnung: Nie wieder! Nie wieder Nationalismus! Nie wieder Krieg! Unsere französischen Freunde haben in den vergangenen Jahren aus dem französischen Gedenk- und Trauerort einen europäischen Ort vor allem für Franzosen und Deutsche gemacht, wo auf französischem Boden auch die deutsche Flagge einträchtig weht. Das habe ich einfach als großartig erlebt. Frieden muss immer wieder neu gestiftet werden. 20 Jahre nach dem 1. Weltkrieg gab es damals schon wieder einen Weltkrieg. Dies darf sich nicht wiederholen. Heute ist die Europäische Union unser Glücksfall in der blutigen Geschichte unseres Kontinents.“


Weitere Informationen:
www.memorial-hwk.eu

 

Öffnungszeiten des Historials:

Im Juni: geöffnet von Mittwoch bis Sonntag
Mittwoch bis Samstag: 10 Uhr - 17 Uhr
Sonntag: 10 Uhr - 18 Uhr

Im Juli und August: geöffnet von Dienstag bis Sonntag
Dienstag bis Samstag: 10 Uhr - 17 Uhr
Sonntag und Feiertage: 10 - 18 Uhr

 

Pressekontakt:
Koppelstätter Media
Horst Koppelstätter
hok@koppelstaetter-media.de

Tel 07221 9737211

 

 

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Beitrag von Jean Klinkert - Präsident des „Komitees für das Nationaldenkmal Hartmannsweilerkopf“

Interview mit Bundespräsidenten a. D. Christian Wulff

Artikel aus dem Europa-Park-Magazin "emotional pur"